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Ermittlungsverfahren · Rechte & Verteidigung im frühen Stadium

Fachanwalt für Strafrecht · Kiel · Schleswig-Holstein · Bundesweit
Ich. Verteidige. Sie.

Verteidigung von der ersten Verfahrenshandlung an — Akteneinsicht, prozessuale Anträge, Beweisverwertungswidersprüche. In Kiel, Schleswig-Holstein und bundesweit.

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Bundesgerichtshof
BVerfG
Bundesverfassungsgericht
In 30 Sekunden: Das Wichtigste
  • Erste Phase: Das Ermittlungsverfahren nach §§ 160 ff. StPO ist die erste Stufe des Strafverfahrens und prägt oft den weiteren Verlauf.
  • Späte Information: Beschuldigte erfahren meist erst durch Vorladung, Vernehmung, Hausdurchsuchung oder Festnahme von dem gegen sie laufenden Verfahren — verdeckte Maßnahmen können monatelang vorausgehen.
  • Herrin des Verfahrens: Die Staatsanwaltschaft leitet die Ermittlungen, die in der Praxis weit überwiegend von der Polizei geführt werden.
  • Vier Ausgänge: Anklage, Strafbefehlsantrag, Einstellung mangels Tatverdacht (§ 170 Abs. 2 StPO) oder Einstellung wegen Geringfügigkeit (§§ 153, 153a StPO).
  • Frühe Verteidigung: Akteneinsicht, eine schriftliche Stellungnahme statt spontaner Aussage und gezielte Verfahrenslenkung sind nur möglich, solange die Akte noch offen ist.

Das Ermittlungsverfahren ist die Phase, in der die Weichen des Strafverfahrens gestellt werden. Hier entscheidet sich, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, einen Strafbefehl beantragt oder das Verfahren einstellt. Wenn Sie in dieser Phase erstmals Kenntnis erhalten — typischerweise durch eine polizeiliche Vorladung, einen Anhörungsbogen, eine Hausdurchsuchung oder eine Festnahme — sollten Sie unverzüglich einen im Strafrecht erfahrenen Verteidiger einschalten. Für „ermittlungsverfahren anwalt“ als Suchanfrage gilt: Je früher die anwaltliche Begleitung beginnt, desto größer ist der Spielraum für eine unauffällige und für Sie günstige Verfahrensentwicklung.

Mit über 22 Jahren Berufserfahrung als Strafverteidiger, seit 2007 als Fachanwalt für Strafrecht, und mehr als 3.500 bearbeiteten Strafmandaten verteidigt Philipp Marquort von Kiel aus bundesweit Beschuldigte in laufenden Ermittlungsverfahren — von der ersten Vorladung bis zur Einstellung oder Anklageerhebung. Die Kanzlei vertritt Mandanten in allen Deliktsbereichen: vom Verkehrsstrafrecht über das Betäubungsmittel- und Wirtschaftsstrafrecht bis zu Kapital- und Sexualdelikten.

Diese Übersichtsseite erläutert den Ablauf des Ermittlungsverfahrens nach §§ 160 ff. StPO, die Rechte des Beschuldigten, typische Eingriffsmaßnahmen der Ermittlungsbehörden und die zentralen Verteidigungsansätze in dieser frühen Verfahrensphase.

Portrait Rechtsanwalt Philipp Marquort, Fachanwalt für Strafrecht, Ihr Strafverteidiger aus Kiel
★★★★★5,0·35 Google-Bewertungen·Fachanwalt seit 2007
Über den Autor

Mein Name ist Philipp Marquort. Ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht mit Kanzleisitz in Kiel. Seit über 22 Jahren verteidige ich Mandanten bundesweit gegen strafrechtliche Vorwürfe — in über 3.500 strafrechtlichen Mandaten. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Bereich Ermittlungsverfahren.

Im Ermittlungsverfahren werden die Weichen für das Hauptverfahren gestellt — Beweismittel werden gesichert, Aussagen aufgenommen, Tatvorwürfe konkretisiert. Maßnahmen wie Telefonüberwachung (§ 100a StPO), DNA-Identifizierung (§ 81e StPO) oder Funkzellenauswertung (§ 100g StPO) greifen tief in Grundrechte ein und sind verfahrensrechtlich anfechtbar. Frühe und präzise Verteidigung kann das Verfahren auf einen für Beschuldigte günstigeren Pfad lenken.

Wenn gegen Sie wegen eines Vorwurfs aus dem Bereich Ermittlungsverfahren ermittelt wird, zögern Sie nicht. Je früher Sie professionelle Unterstützung erhalten, desto besser. Kontaktieren Sie mich jederzeit.

Welche Verfahrensschritte gehören zum Ermittlungsverfahren?

Das Ermittlungsverfahren ist gesetzlich in den §§ 160 ff. StPO geregelt. Es beginnt formell mit dem Anfangsverdacht, also mit zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkten für eine verfolgbare Straftat, und endet mit einer abschließenden Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Innerhalb dieses Rahmens spielen einzelne Eingriffsnormen und Verfahrensrechte eine besondere Rolle:

Übersicht der Verfahrensausgänge

Norm Verfahrensausgang Voraussetzung Folge
§ 170 Abs. 1 StPO Anklageerhebung Hinreichender Tatverdacht Eröffnung des Zwischenverfahrens
§ 407 StPO Antrag auf Strafbefehl Einfache Sachlage, regelmäßig Vergehen Schriftliches Verfahren ohne Hauptverhandlung
§ 170 Abs. 2 StPO Einstellung mangels Tatverdacht Beweise reichen nicht aus Verfahrensbeendigung, kein Eintrag
§ 153 StPO Einstellung wegen Geringfügigkeit Geringe Schuld, kein öffentliches Interesse Verfahrensbeendigung ohne Auflagen
§ 153a StPO Einstellung gegen Auflagen Geringe bis mittlere Schuld Geldauflage, gemeinnützige Arbeit, sonstige Weisungen
§§ 154, 154a StPO Teileinstellung Mehrere Taten oder Tatteile Beschränkung der Strafverfolgung

Diese Tabelle zeigt: Die Anklageerhebung ist nur einer von mehreren möglichen Ausgängen. In der Praxis enden zahlreiche Ermittlungsverfahren mit einer Einstellung. Genau hier liegt oft der wirtschaftlich und strafrechtlich entscheidende Hebel der frühen Verteidigung.

Typische Verfahrenssituationen im Ermittlungsverfahren

Die meisten Beschuldigten erfahren erst durch eine konkrete Verfahrenshandlung von dem gegen sie geführten Ermittlungsverfahren. Bis dahin können — bei entsprechender Anordnung — verdeckte Maßnahmen wie Telekommunikationsüberwachung, Funkzellenauswertung, längerfristige Observation oder der Einsatz von Vertrauenspersonen über Wochen oder Monate gelaufen sein. Die Suchanfrage „ermittlungsverfahren ohne mein wissen monatelang“ beschreibt daher keine Ausnahme, sondern den Regelfall verdeckter Ermittlungsführung.

Vorladung als Beschuldigter. Die polizeiliche Vorladung als Beschuldigter ist der häufigste Erstkontakt. Anders als Zeugen sind Beschuldigte weder verpflichtet, einer polizeilichen Vorladung Folge zu leisten, noch zur Sache auszusagen. Die saubere Reaktion lautet meist: Termin nicht eigenständig wahrnehmen, Verteidiger einschalten, Akteneinsicht beantragen, dann entscheiden.

Anhörungsbogen. Der Anhörungsbogen ist die schriftliche Form der ersten Anhörung. Auch hier besteht keine Pflicht zur Sachstellungnahme — es genügt, die Personalien anzugeben. Wie inhaltlich reagiert wird, gehört in die Hand des Verteidigers, nicht in eine spontane Selbstauskunft.

Hausdurchsuchung. Bei einer Hausdurchsuchung gilt: keine Zustimmung erteilen, den Beschluss aushändigen lassen, Widerspruch gegen die Sicherstellung zu Protokoll geben, schweigen, sofort einen Verteidiger kontaktieren. Spontane Erklärungen gegenüber den durchsuchenden Beamten verschlechtern die Verteidigungslage fast immer.

Festnahme und Untersuchungshaft. Bei einer Festnahme entscheidet die Vorführung beim Haftrichter über die folgenden Wochen oder Monate. Spätestens hier greift § 140 StPO mit der notwendigen Verteidigung — die Bestellung eines Pflichtverteidigers ist seit der Reform 2019/2020 zwingend, sobald Untersuchungshaft vollzogen wird.

Erkennungsdienstliche Behandlung. Die ED-Behandlung nach § 81b StPO (Lichtbilder, Fingerabdrücke, Messungen) ist ein eigenständiger Eingriff, der gesondert anwaltlich überprüft werden sollte — vor allem die Frage, ob sie für künftige Strafverfahren erforderlich ist.

Ermittlungsverfahren gegen Sie eingeleitet?

Schweigen Sie. Treffen Sie keine Aussage ohne Akteneinsicht. Ich übernehme die Verteidigung von Anfang an und steuere das Verfahren strategisch.

Rechtsanwalt Philipp Marquort · Fachanwalt für Strafrecht · kanzlei@marquort.de

Verteidigungsansätze im Ermittlungsverfahren

Die Verteidigung im Ermittlungsverfahren folgt einer anderen Logik als die Verteidigung in der Hauptverhandlung. Im Zentrum stehen drei Ziele: erstens die Akte zu kennen, bevor irgendetwas erklärt wird; zweitens das Verfahren in eine günstige Richtung zu lenken, solange die Staatsanwaltschaft noch nicht festgelegt ist; drittens die Anklage möglichst zu vermeiden.

Schweigen und Akteneinsicht. Das Schweigerecht des Beschuldigten ist das wichtigste Verteidigungsrecht im Ermittlungsverfahren. Aus Schweigen darf rechtlich kein nachteiliger Schluss gezogen werden. Parallel beantragt die Verteidigung Akteneinsicht nach § 147 StPO. Erst auf Grundlage der Aktenkenntnis lässt sich seriös entscheiden, ob — und wenn ja, in welcher Form — eine Stellungnahme abgegeben wird.

Schriftliche Stellungnahme statt mündlicher Vernehmung. Wenn überhaupt eine Sacheinlassung sinnvoll ist, erfolgt sie regelmäßig schriftlich durch den Verteidiger. Die schriftliche Form erlaubt präzise Formulierungen, vermeidet Missverständnisse und hält die Beweislage unter Kontrolle. Die Suchanfrage „ermittlungsverfahren stillschweigen optimum“ beschreibt einen wichtigen, aber erklärungsbedürftigen Grundsatz: Schweigen ist nicht in jeder Konstellation die beste Lösung — entlastende Umstände, die die Staatsanwaltschaft ohne Mitwirkung nicht erkennt, können eingebracht werden, wenn die Verteidigungsstrategie das trägt.

Hinwirken auf Einstellung. Eine Einstellung mangels Tatverdacht (§ 170 Abs. 2 StPO) ist das günstigste Ergebnis. Sie kommt in Betracht, wenn die Beweislage keine hinreichende Verurteilungswahrscheinlichkeit ergibt. Die Verteidigung trägt entlastende Umstände vor, weist auf Beweislücken hin oder erschüttert Belastungszeugen. Bei geringer Schuld kommt auch eine Einstellung nach §§ 153, 153a StPO in Betracht — gegebenenfalls gegen Geldauflage. Beide Wege ersparen Ihnen die Hauptverhandlung und die öffentliche Verfahrensführung.

Schadenswiedergutmachung und Täter-Opfer-Ausgleich. Bei Vermögens- und Körperverletzungsdelikten kann eine frühe Schadenswiedergutmachung die Verfahrensentwicklung deutlich beeinflussen — sowohl für eine Einstellung nach § 153a StPO als auch für die Strafzumessung im Fall einer späteren Hauptverhandlung (§ 46a StGB).

Haftprüfung und Haftvermeidung. Bei drohender oder vollzogener Untersuchungshaft tritt die Haftverteidigung in den Vordergrund: Anregung von Auflagen statt Haftvollzug, Haftprüfung, Haftbeschwerde. Bei Untersuchungshaft besteht ein verstärktes Recht auf Akteneinsicht in haftbegründende Tatsachen (§ 147 Abs. 4 StPO).

Kontrolle der Eingriffsmaßnahmen. Hausdurchsuchung, Beschlagnahme, Telekommunikationsüberwachung und DNA-Identifizierung sind keine selbstverständlichen Befugnisse, sondern grundrechtsintensive Eingriffe mit engen Voraussetzungen. Die Verteidigung prüft Anordnungsbeschluss, Verhältnismäßigkeit und ordnungsgemäße Durchführung — und legt gegebenenfalls Rechtsmittel ein. Eine umfassende Übersicht der weiteren Verfahrensphasen findet sich unter Strafverteidigung.

Wann sich Mandanten an die Kanzlei wenden

Beschuldigte und Betroffene wenden sich in unterschiedlichen Phasen des Strafverfahrens an die Kanzlei Marquort. Die folgenden zehn Situationen decken den Großteil der Erstanfragen ab — vom ersten Schreiben der Polizei bis zum Wiederaufnahmeverfahren.

  • Vorladung als Beschuldigter: Wer eine polizeiliche Vorladung als Beschuldigter erhält, ist weder zur Aussage noch zum Erscheinen bei der Polizei verpflichtet. Die saubere Reaktion: schweigen, Akteneinsicht durch den Verteidiger, anwaltlich vorbereitete Stellungnahme.
  • Anhörungsbogen erhalten: Im Anhörungsbogen werden Personalien und eine Stellungnahme zum Tatvorwurf abgefragt. Personalbogen ausfüllen, zur Sache schweigen, Verteidiger einschalten — die schriftliche Sachstellungnahme erfolgt erst nach Akteneinsicht.
  • Untersuchungshaft: Bei Anordnung der Untersuchungshaft entscheidet die Vorführung beim Haftrichter über die nächsten Wochen oder Monate. Anwaltlicher Beistand bei der Vorführung ist regelmäßig der wichtigste Schritt — Pflichtverteidigung ist hier zwingend.
  • Hausdurchsuchung: Eine Hausdurchsuchung ist oft der erste sichtbare Hinweis auf ein bereits laufendes Ermittlungsverfahren. Der Beschluss sollte ausgehändigt, der Widerspruch gegen die Sicherstellung erklärt und sofort ein Verteidiger kontaktiert werden.
  • Erkennungsdienstliche Behandlung: Lichtbilder, Fingerabdrücke und Messungen nach § 81b StPO sind ein eigenständiger Grundrechtseingriff. Ob sie für künftige Strafverfahren erforderlich sind, ist gesondert anwaltlich zu prüfen.
  • Strafbefehl erhalten: Ein Strafbefehl ergeht ohne Hauptverhandlung und wird mit Ablauf der zweiwöchigen Einspruchsfrist rechtskräftig. Der Einspruch eröffnet die Hauptverhandlung — die Frist ist strikt einzuhalten.
  • Anklageschrift erhalten: Mit der Anklageschrift endet das Ermittlungsverfahren und das Zwischenverfahren beginnt. In diesem Stadium kann die Verteidigung Beweisanträge stellen und Einwendungen gegen die Eröffnung erheben.
  • Urteil erhalten: Nach der Verkündung beginnt die Frist zur Einlegung von Rechtsmitteln — Berufung oder Revision. Die Entscheidung über das richtige Rechtsmittel und seine Begründung muss zügig getroffen werden.
  • Anwaltswechsel: Ein Wechsel der Verteidigung ist in jeder Verfahrensphase möglich. Bei Pflichtverteidigung gelten besondere Voraussetzungen, die anwaltlich vorbereitet werden müssen.
  • Wiederaufnahmeverfahren: Auch nach rechtskräftiger Verurteilung besteht unter den engen Voraussetzungen des § 359 StPO die Möglichkeit der Wiederaufnahme — etwa bei neuen Beweismitteln.
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„Habe soviel gutes gehört, habe angerufen in der Kanzlei und den schnell möglichsten Termin bekommen ❤️ Herzlichen Dank, ich wünsche dem ganzen Team und Rechtsanwalt Philipp Marquort frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr. Mit lieben Grüßen, M.G“
Mandant · Google
„Was soll man über diesen wunderbaren Rechtsanwalt und Menschen noch schreiben? Meine Tochter wurde beschuldigt. Herr Marquort hörte ganz aufmerksam und empathisch zu, analysierte die Ermittlungen der Polizei. Das Verfahren wurde eingestellt. Hier hat meine Familie gelernt, wie schnell man verdächtigt werden kann.“
Mandantin · Google
„TipTop! Nur zu Empfehlen! Nach knapp 8 Jahren Ermittlungen gegen mich auf Empfehlung hier her gekommen und innerhalb von 30min vor Gericht wurde das ding durch Herrn Marquort erledigt! Danke Dafür! Endlich Kopf Frei! Gruß Daniel G.P.B.“
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Fazit

Das Ermittlungsverfahren ist die Phase des Strafverfahrens, in der die Verteidigung am meisten gestalten kann und am wenigsten reparieren muss. Wer früh anwaltlich begleitet wird, profitiert von Akteneinsicht, kontrollierter Stellungnahme, einer gezielten Einstellungsstrategie und der prozessualen Kontrolle von Ermittlungsmaßnahmen. Wer dagegen spontan bei der Polizei aussagt, einer Hausdurchsuchung zustimmt oder den Anhörungsbogen vorschnell ausfüllt, verschlechtert seine Position oft irreversibel.

Die Kanzlei Marquort übernimmt Verteidigungen im Ermittlungsverfahren in allen Deliktsbereichen und begleitet Mandanten von der ersten Vorladung über die Akteneinsicht bis zur Verfahrensbeendigung. Der erste Schritt ist immer derselbe: Kein Wort zur Sache, bevor die Akte gelesen ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Ermittlungsverfahren?

Das Ermittlungsverfahren ist die erste Phase des Strafverfahrens und gesetzlich in den §§ 160 ff. StPO geregelt. Die Staatsanwaltschaft als „Herrin des Verfahrens“ leitet die Ermittlungen, die in der Praxis weit überwiegend von der Polizei durchgeführt werden. Ziel ist es, den Sachverhalt aufzuklären, Beschuldigte festzustellen, Beweise zu sichern und die Entscheidung über eine Anklage vorzubereiten.

Wer wird wann informiert?

Der Beschuldigte wird regelmäßig erst dann informiert, wenn dies dem Verfahrenszweck nicht mehr entgegensteht — typischerweise bei Vorladung, Vernehmung, Hausdurchsuchung oder Festnahme. Bis dahin können verdeckte Ermittlungsmaßnahmen wie Telekommunikationsüberwachung, Observation oder der Einsatz von Vertrauenspersonen ohne Wissen des Beschuldigten laufen. Anzeigeerstatter erhalten ihrerseits keine vollständige Information über den Verfahrensfortgang, sondern nur die abschließende Mitteilung über den Ausgang.

Welche Maßnahmen darf die Polizei?

Nicht eingriffsintensive Maßnahmen — Identitätsfeststellung, Befragungen, Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen, freiwillige Mitwirkung etwa bei DNA-Proben — kann die Polizei eigenständig durchführen. Eingriffsintensive Maßnahmen brauchen eine Anordnung: Hausdurchsuchung (§§ 102, 105 StPO), Beschlagnahme (§§ 94, 98 StPO), Telekommunikationsüberwachung (§ 100a StPO), längerfristige Observation (§ 163f StPO), DNA-Identifizierung (§ 81e StPO), Online-Durchsuchung (§ 100b StPO) und akustische Wohnraumüberwachung (§ 100c StPO). Zuständig ist regelmäßig der Richter, in einzelnen Fällen die Staatsanwaltschaft, bei Gefahr im Verzug ausnahmsweise die Polizei.

Wann sollte ich einen Verteidiger einschalten?

Sofort, sobald Sie von dem Verfahren erfahren — nicht erst nach Vorladung oder Vernehmung. Eine frühe Verteidigung kann das Verfahren in eine günstige Richtung lenken, etwa durch Akteneinsicht und eine schriftliche Stellungnahme statt einer mündlichen Aussage. Sie kann auch zu einer Einstellung beitragen (§ 170 Abs. 2 StPO mangels Tatverdacht oder §§ 153, 153a StPO bei geringer Schuld), Kostenrisiken begrenzen und die Anordnung von Untersuchungshaft verhindern oder verkürzen.

Wie kommt die Verteidigung an die Akte?

Über einen Antrag auf Akteneinsicht nach § 147 StPO. Im laufenden Ermittlungsverfahren kann die Akteneinsicht teilweise oder vollständig versagt werden, wenn dadurch der Untersuchungszweck gefährdet würde (§ 147 Abs. 2 StPO). Bei Untersuchungshaft besteht ein verfassungsrechtlich verstärktes Recht auf Akteneinsicht in die haftbegründenden Tatsachen (§ 147 Abs. 4 StPO). Spätestens nach Abschluss der Ermittlungen ist die Akteneinsicht uneingeschränkt zu gewähren.

Wie endet das Ermittlungsverfahren?

Es gibt vier Hauptmöglichkeiten: erstens die Anklageerhebung nach § 170 Abs. 1 StPO bei hinreichendem Tatverdacht; zweitens den Antrag auf Erlass eines Strafbefehls nach § 407 StPO bei einfachen Sachen; drittens die Einstellung mangels Tatverdacht nach § 170 Abs. 2 StPO, wenn die Beweise für eine Verurteilungswahrscheinlichkeit nicht ausreichen; viertens die Einstellung wegen Geringfügigkeit nach §§ 153, 153a StPO bei geringer Schuld — gegebenenfalls gegen Auflagen und Weisungen.

Wie lange dauert ein Ermittlungsverfahren?

Die Dauer ist sehr unterschiedlich. Einfache Verkehrsdelikte werden häufig innerhalb von zwei bis sechs Monaten abgeschlossen. Mittelschwere Sachen dauern in der Regel sechs bis 18 Monate. Komplexe Verfahren — etwa im Wirtschaftsstrafrecht oder bei Kapitalverbrechen — können sich über zwei bis fünf Jahre erstrecken. Ein striktes Beschleunigungsgebot gilt zwar nur in Haftsachen, eine überlange Verfahrensdauer kann im Fall einer Verurteilung aber als Strafmilderungsgrund berücksichtigt werden.

Verteidigung im Ermittlungsverfahren

Im Ermittlungsverfahren werden die Weichen gestellt. Ich übernehme bundesweit Akteneinsicht, prozessuale Anträge, Beweisverwertungswidersprüche und die strategische Aufstellung Ihrer Verteidigung — von der ersten Verfahrenshandlung an.

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Rechtsanwalt Philipp Marquort · Fachanwalt für Strafrecht · Exerzierplatz 32, 24103 Kiel · kanzlei@marquort.de

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